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Färben mit Krappwurzel auf Baumwolle

Färben mit Pflanzenfarben, insbesondere bei Krappwurzel, ist immer eine zeitaufwendige Angelegenheit. Es existieren viele Rezepte, wie mit Krapp gefärbt werden soll. Wir geben Ihnen hier eine Anleitung, die einer Originalvorschrift aus dem Jahre 1912 entnommen wurde, an die Hand.

Benötigte Materialien:
Krappwurzel, gemahlen (Art.-nr. 1.004.004), Türkischrotöl (Art.-nr. 1.004.010), Calciumcarbonat (Art.-nr. 1.012.010), Soda (Art.-nr. 1.013.012), Alaun (Art.-nr. 1.012.016), Essig (Art.-nr. 1.003.032), 500g Baumwolle, Weizenkleie. Tragen Sie bitte bei allen Arbeiten Schutzhandschuhe!

1. Tag: Beizung der Baumwolle mit Türkischrotöl und Vorbereitung des Färbesuds

a) Verrühren Sie in einem Eimer 1 Teelöffel Soda mit einem Liter Wasser. Anschließend geben Sie 5ml Türkischrotöl zu und rühren Sie heftig um, so daß sich eine Emulsion ergibt. Darin walken Sie die Baumwolle (500g) längere Zeit kräftig. Anschließend lassen Sie die ölgebeizte Baumwolle einen Tag in der Sonne trocknen (Sonne ist wichtig, da die Fixierung der Ölbeize Wärme erfordert).

b) 300g gemahlene Krappwurzel mit 100 - 200g Weizenkleie (fördert die Lebhaftigkeit der später erzielten Färbung) in einer ausreichend großen Menge kaltem, enthärteten, bzw. kalkarmen Wasser, dem ein Schuß Essig zugefügt worden ist, über Nacht quellen lassen.

2. Tag: Beizung mit Alaun und Färben

a) Lösen Sie 80 (-100) Gramm Alaun in kaltem Wasser. Walken Sie die ölgebeizte Baumwolle darin kräftig durch und lassen Sie es dann noch 3 Stunden ziehen. Anschließend das Garn auswringen.

b) Zur Fixierung der Alaun-Ölbeize müssen Sie nun das Garn in einer Aufschwemmung von Calciumcarbonat waschen. Hierzu geben Sie 50 Gramm Calciumcarbonat in einen Liter Wasser, erhitzen auf 50°C und ziehen Sie das Garn durch die Aufschwemmung.
c) Nun waschen Sie das Garn bitte mehr als gut mit normalem Wasser aus. Jedes Gramm Alaun, welches beim Färben von der Faser heruntergewaschen wird, kann 8-9 Gramm reinen Farbstoff zu einem Farblack binden, der für die Färbung verlorengeht!

d) Den über Nacht stehen gelassenen Krappansatz auf 40°C erwärmen, 1-2 ml Türkischrotöl zugeben und das ausgewaschene, gebeizte Garn in die Flotte geben. Die Temperatur der Flotte darf nie über 55°C steigen, sonst findet die Zersetzung eines wertvollen Begleitfarbstoffs (Pseudopurpurin) statt. Optimalerweise färben Sie bei 40-50°C. Während des Färbevorgangs muß die Flotte stets in Bewegung bleiben, also stetig rühren!

e) Nach spätestens 2 Stunden dürfte die Faser ausreichend stark durchfärbt sein.

f) Die Faser auswringen und in eine großes Sieb geben. Das Sieb samt dem Garn in einen Topf, in dem der Topfboden mit etwas Wasser bedeckt ist, hängen oder stellen. Schließen Sie den Topf und erhitzen Sie, so daß sich im Inneren des Topfes Dampf entwickelt. Nun dämpfen Sie das Garn zwei Stunden lang. Achten Sie bitte darauf, daß der Topfboden nicht trocken wird, sonst kann es leicht zu Überhitzungen kommen.

g) Nach dem Dämpfen seifen Sie das Garn gründlich und waschen es warm aus.

Variationen

Sie können die Einsatzmenge an Krappwurzel und Weizenkleie natürlich variieren. Weizenkleie kann auch ganz weggelassen werden, die Farbe wird dann dunkler. Die Türkischrotölbeize kann ebenso weggelassen werden, jedoch nicht die Alaunbeize. Verwenden Sie aber dann in der Färbeflotte wenigsten einen Zusatz von 1ml Spülmittel, damit die Oberflächenspannung heruntergesetzt wird und dadurch das Färbegut besser von der Farblösung durchdrungen wird. Ebenso kann das Dämpfen weggelassen werden, die Farbe wird dann aber nicht voll entwickelt.

Färben mit Krappwurzel auf Wolle und Seide

Benötigte Materialien:
Krappwurzel, gemahlen (Art.-nr. 1.004.004), Alaun (Art.-nr. 1.012.016), Weinstein (Art.-nr. 1.012.002), Essig (Art.-nr. 1.003.032), 500g Wolle, Weizenkleie. Tragen Sie bitte bei allen Arbeiten Schutzhandschuhe!

1. Tag: Vorbereitung des Färbesuds

a) 300g gemahlene Krappwurzel mit 100 - 200g Weizenkleie (fördert die Lebhaftigkeit der später erzielten Färbung) in einer ausreichend großen Menge kaltem, enthärteten, bzw. kalkarmen Wasser, dem ein Schuß Essig zugefügt worden ist, über Nacht quellen lassen.

2. Tag: Beizung der Wolle und Färben

a) Lösen Sie 80 (-100) Gramm Alaun und 30g Weinstein pro Liter kaltem Wasser. Sie benötigen so viel Wasser, daß die Wolle locker in der Beize schwimmt. Walken Sie die Wolle darin kräftig durch und kochen Sie sie dann in der Beize 11/2 Stunde durch.

b) Waschen Sie das gebeizte Garn bitte mehr als gut mit normalem Wasser aus. Jedes Gramm Alaun, welches beim Färben von der Faser heruntergewaschen wird, kann 8-9 Gramm reinen Farbstoff zu einem Farblack binden, der für die Färbung verlorengeht!

c) Den über Nacht stehen gelassenen Krappansatz auf 40°C erwärmen, 1-2 ml Spülmittel (zur Reduzierung der Oberflächenspannung - fördert die bessere Durchdringung der Wolle mit Farblösung) zugeben und die ausgewaschene, gebeizte Wolle in die Flotte geben. Die Temperatur der Flotte darf nie über 55°C steigen, sonst findet die Zersetzung eines wertvollen Begleitfarbstoffs (Pseudopurpurin) statt. Optimalerweise färben Sie bei 40-50°C. Während des Färbevorgangs muß die Flotte stets in Bewegung bleiben, also stetig rühren!

d) Nach spätestens 2 Stunden dürfte die Faser ausreichend stark durchfärbt sein.

e) Die Wolle auswringen, seifen und warm auswaschen.

Variationen

Sie können die Einsatzmenge an Krappwurzel und Weizenkleie natürlich variieren. Weizenkleie kann auch ganz weggelassen werden, die Farbe wird dann dunkler.

Sind Sie bitte nicht enttäuscht, wenn Ihr erster Färbeversuch nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Wir können Ihnen hier nur ein Beispiel angeben, wie das Färben mit Krapp durchgeführt werden kann. Leider gibt es gerade in der Pflanzenfärberei kein „Patentrezept“ und es kommt nicht von ungefähr, daß gute Färber in früheren Zeiten erst nach mehreren Jahren Meister ihres Faches waren. Wenn Sie jedoch die obigen Informationen als erste Grundlage verwenden, besitzen Sie zumindest bereits eine gute Startposition für die Krappfärberei.

© Sankt-Florian-Drogerie Inh. Michael Nierle